Elfriede Jelinek und der Literaturnobelpreis
Es ist verkündet: Die österreichische Autorin, Dichterin, Provokateurin Elfriede Jelinek wird im kommenden Jahr mit dem Literaturnobelpreis geehrt. Doch: Wer ist diese Frau? – und ist das überhaupt wichtig? Vielmehr: Was wissen wir über ihr Werk und was sagt es uns?
Ohne Zweifel, nur fünf Jahre nach Günter Grass erhält wieder eine deutschsprachige Autorin diese vielleicht höchste aller Auszeichnungen – ob wohlverdient (alte Rechtschreibung) oder nur wohl verdient (neue deutsche Rechtschreibung), das sei zunächst einmal egal. Jedenfalls werden in einem solchen Moment alle Deutschen schnell zu sympathisierenden Österreichern – oder besser noch: die Jelinek gleich „heimgeholt“, wenn man so will. In irgendeiner Weise muss doch die Nähe der Autorin zu dem ihr traditionell günstig gesinnten Deutschland – bei gleichzeitiger, lang andauernder Feindseligkeit eminenter Schichten der Republik Österreich, zumal des sogenannten Establishments – hergestellt werden. Und so stellen die Feuilletons her, was die Autorin Zeit ihres dichterischen Lebens zu entlarven versucht hatte: die Provinzialität in den Köpfen der Vielen...
Gleichwohl will mir scheinen, dass die Jelinek selbst eben diese von ihr zum zentralen Thema ihres literarischen Schaffens gemachte Absurdität des Klischeehaften nie überwunden hat, ja: in diesem behaftet ist – und sich selbst dafür in ihren Werken so sehr geißelt, wie diejenigen, welche sie und ihr Opus ablehnen, aus tiefster Verachtung.
Verfremdung, Sex, Vergewaltigung, Unterdrückung, Obsession – das gesamte Kompendium scheinbar abnormaler, mir – trotz aller Beweise der wahren Existenz desselben – so ferner Provinzialität... Was will uns diese Autorin sagen? Was wird ihr Werk in 100 Jahren sein? Ein Appell an Euch, mir und der (männlichen?) Welt, das große Werk der Elfriede Jelinek zu erklären!
st. am 09. Oktober 2004